Kulturhauptstadt 2010 – Projekte im Verborgenen

Just in time: Pünktlich zum Jahr der Kulturhauptstadt 2010 – so könnte man meinen – sind auch zwei Projekte am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Gelsenkirchen, Augustastraße, abgeschlossen und die Ergebnisse in einer Finissage eingeweiht worden. Allerdings: Wenn auch die Projekte den Anspruch erheben, Teil von Kultur zu sein, so ist das Zusammentreffen mit dem Jahr der Kulturhauptstadt zufällig. Seit mehr als fünf Jahren zogen sich Planungen, Ausarbeitungen und Dokumentationen hin – Projekte, die im Verborgenen wuchsen und die Basis jeglicher Kultur bilden.

Doch – was wurde am Freitag, dem 29.01.2010, in dem denkmalgeschützten Gebäudeteil des Berufskollegs eingeweiht?

Marcel Geppert, Laura und Rebecca Schneider, Linda Vörkel und Lina Wittpoth – ehemalige Schüler und Schülerinnen des Wirtschaftsgymnasiums – „erweckten" zwei zuzementierte Brunnen im Foyer zu neuem Leben. Mit technischer Hilfe und Unterstützung der GAFÖG und des Stadtbauamtes sowie finanzieller Förderung der Landesarbeitsgemeinschaft - Arbeit -Bildung - Kultur in Nordrhein-Westfalen e.V., wurden Edelstahlplatten zu zwei Brunnen geschweißt. Diese beiden Brunnen bauen zueinander ein Spannungsfeld auf: Umgeben von einer offenen mit blauen Leuchtdioden versehenen Pyramide fällt Wasser auf ein mobiles, sich drehendes Rad, das dem Wasser einen aleatorischen Weg weist: Durch die Wasserschaufeln entstehen Wassertropfen, in denen sich das blaue Licht bricht, bevor sie den Gitterboden erreichen, von wo sie in den geschlossenen Wasserkreislauf zurückgelangen. Dieser (scheinbaren) Unberechenbarkeit des Wasserflusses über das Wasserrad steht die (scheinbare) Ruhe eines durch Wasserdruck erzeugten gleichmäßigen Wasserflusses gegenüber.

Beide verweisen übersieh hinaus, indem sie Musik zitieren: die Carmina burana Carl Orffs hier, die Meistersinger Richard Wagners dort. Ihre Zusammengehörigkeit hebt das blaue Licht der Leuchtdioden hervor.

Anders das zweite Projekt: Filiz Arslan, Birgül Dogru, Jessica Mohr und Serhat Uyar – nur Birgül Dogru besucht noch das Berufskolleg Augustastraße – fanden ihr eigenes Betätigungsfeld: Zusammen mit dem in Gelsenkirchen lebenden Künstler Clemens Matthies gestalteten sie Tympana – das sind Bogenfelder oberhalb von Türen und Eingängen. Orte dieser Anstrengungen waren Räumlichkeiten, die das Berufskolleg Königstraße unbürokratisch und kooperativ zur Verfügung stellte.

Ausgehend von der Schrift, gelang es ihnen durch Abstraktion die Dynamik und Ästhetik von Schriftzeichen, ihre Ornamentalik greifbar zu machen. Schrift – befreit von Funktionalisierungen, wie dem Kleingedruckten oder der Klassenarbeit. Dass dabei unterschiedliche Lösungen gefunden wurden, beweisen eindrucksvoll die Kunstwerke. Das pädagogische Konzept, das hinter den Projekten steht, lässt eine Vision einer neuen Schule erahnen. Im Katalog wird es so formuliert:

Die Projekte sollen die Möglichkeit eröffnen, das Schulgebäude wahrzunehmen als Ort bewusster Lebensraumgestaltung, als Ort kulturellen Lehrens, Lernens und Lebens, als Ort der Individualität der Schülerinnen und Schüler, als Ort integrierender Auseinandersetzung mit der kulturellen Tradition.

Wie sehr dies gelungen ist, beweisen die Ergebnisse, aber auch der Stolz in den Augen der Schüler und Schülerinnen beim Enthüllen der Edelstahltafel mit ihren Namen ...

Wie und wann die Brunnenrestaurierung begann können Sie hier nachlesen. 

Text: H.-J. Badziong

 
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