Von der Gaststätte zur Schule - Die Entstehung der Schule an der Augustastraße

Als ab dem 3. November 1893 die ersten Handelsschüler unserer Schule unterrichtet wurden, bot sich ein - für heutige Augen - ungewöhnliches Bild. Die Schüler betraten nämlich kein Schulgebäude, sondern die Wirtschaft Heuser, in deren Räumlichkeiten der kaufmännische Verein "Merkur" eine "Kaufmännische Fortbildungsschule" eingerichtet hatte.

Neben einem Rektor gab es lediglich einen Professor und zwei Kaufleute, die den Unterricht, der freiwillig war und daher nur am Abend angeboten wurde, abhielten. Erst 1910 wurden hauptamtliche Lehrkräfte eingestellt, da mittlerweile der Tagesunterricht eingeführt worden war. Die Teilnahme daran war für kaufmännische Lehrlinge jedoch nach wie vor freiwillig. Das Schulgeld betrug 30,- Mark.

Erst mit der Einführung der Handelsschule für Mädchen 1911 fand der Unterricht nicht mehr in einer Wirtschaft, sondern an zwei "richtigen" Schulstätten statt: in der Schule an der Weststraße sowie in einem Gebäude an der evangelischen Altstadtkirche, das mittlerweile abgerissen ist.

1913 übernahm die Stadt Gelsenkirchen die Schule, da die Schulpflicht für alle Lehrlinge im Handel eingeführt wurde.

Der 1. Weltkrieg stoppte zunächst den weiteren Ausbau der Schule: viele Lehrer wurden eingezogen, und so konnte nur verkürzter Unterricht stattfinden.

Im Jahr 1919 wurden eine Höhere Handelsschule und eine Drogistenabteilung eingerichtet.

Der gravierende chronische Platzmangel führte dann auch dazu, dass ab 1921 das Gebäude an der evangelischen Kirche aufgegeben wurde. Wieder kam die Wirtschaft Heuser ins Spiel, da die Stadt einfach einen Saal in einen schulischen Behelfsbau umfunktionierte. So konnten sich die Schüler endlich wieder an heißen Tagen in den Pausen durch ein kühles Getränk erfrischen.

Im Mai 1925 wurde dann endlich das neue "richtige" Schulgebäude fertig gestellt - die Schule an der Augustastraße, obwohl es während der Bauzeit von ca. 1 ½ Jahren zu massiven finanziellen Schwierigkeiten gekommen war.

Die Wirtschaft Heuser gibt es heute übrigens nicht mehr. An ihrer Stelle wurde das Hans-Sachs-Haus errichtet, welches demnächst selber abgerissen werden soll.

Aufgrund massiv steigender Schülerzahlen reichte die Kapazität der Schule ab 1938 nicht mehr aus: die Bachschule in der Neustadt wurde daher ausgebaut.

Im 2. Weltkrieg musste die Schule in der Augustastraße nach einem Angriff im November 1944 geräumt und der Stadt für Verwaltungszwecke zur Verfügung gestellt werden.

Der Unterricht fand bis zum Ende des Krieges nur noch in der Bachschule statt. Danach setzte der Unterricht in der Augustastraße erst im Juni 1946 wieder allmählich ein und die Stadt räumte nach und nach sämtliche Räume, so dass auf die Räumlichkeiten der Bachschule wieder verzichtet werden konnte.

Während der folgenden Jahre entstanden viele neue Schularten im kaufmännischen Unterrichtswesen, die auch von der Schule an der Augustastraße angeboten wurden und werden.

Das Schulgebäude erfuhr mittlerweile mehrere Um- und Anbauten.

Auf den Unterseiten dieses Abschnitts finden Sie Bilder und Geschichten zu

unserer Schule.

Sollte sich jemand auf den Bildern erkennen, oder aber Informationen zu den Bildern haben, wäre es schön wenn er sich melden würde, damit die Chronik weiter ausgebaut, korrigiert und ergänzt werden kann. Vielen Dank im voraus!

 

 

Text der Chronik: FS04 nach der Vorlage der Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Handelsschulen in Gelsekirchen, 1993.

 
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